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Reisen

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Hinter Mauern – Fontaine-Henry in der Normandie

September 23, 2016

 

Dëse Summer si mer vill gereest a woren ënner anerem op Besuch am pittoresken Duerf Fontaine-Henry an der Normandie.

Den Sommer haben wir dieses Jahr hauptsächlich nicht zu Hause genossen, sondern unser Reisefieber hat uns an die verschiedensten Orte geschickt, an die ich mich jetzt noch mit Begeisterung erinnere.

So haben wir nach der Woche Inselurlaub auf Guernsey, über den ich schon ausführlich hier bei “merlanne” berichtet habe, eine Woche lang die Normandie bereist. Obwohl wir absolute Frankreich-Fans sind, kannten weder Monsieur Merlanne noch ich die Region und wollten dies schon immer mal nachholen. Monsieur Merlanne ist unser Urlaubsplaner. Man muss sich das so vorstellen: im Winter plagt uns die Sehnsucht nach Sonne und Abenteuer recht schlimm und so überlegen wir uns schon in den ersten kalten Tagen, wohin es im nächsten Sommer hingehen soll. Wenn wir uns dann mehr oder weniger auf verschiedene Ziele geeinigt haben, sitzt Monsieur Merlanne abends stundenlang am Rechner und schaut sich die Gegenden an, sucht nach schönen und erschwinglichen Übernachtungs- möglichkeiten, informiert sich, was man unbedingt besuchen muss und macht die nötigen Buchungen.

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Dieses Jahr, finde ich, hatte Monsieur ein gutes Händchen bei der Suche nach schönen Orten,  an denen man gerne verweilt. Für die Normandie war seine Wahl auf Fontaine-Henry gefallen und schon auf dem Weg durch die vielen Felder und Wälder zum entlegenen Dorf wusste ich, dass es uns hier gefallen wird.

Was haben wir gestaunt, als wir durch das etwa 470 Seelen zählende Dorf fuhren: fast alle Häuser verstecken sich hinter hohen ockerfarbenen Mauern, keine Menschenseele war auf den Strassen und wir haben uns gefragt, ob überhaupt hier jemand wohnt. Die Stimmung war schon etwas eigenartig, denn auch als ich ein paar Tage danach durch das Dorf streunte, begegenete ich so gut wie niemandem. Hinter den hohen Mauern hörte ich jedoch fröhliches Lachen, herrlicher Kuchenduft strömte durch ein Fenster und irgendwo spielte Musik aus einem Radio. Es gibt in dem Dorf eine Schule, eine Kirche, ein Rathaus … doch im August sind wahrscheinlich viele der Einwohner ebenfalls “ausgeflogen” und machen Urlaub an anderen schönen Orten.

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Gewohnt haben wir im Gîte vom kleinen Gasthaus “Clos de la Valette“, einem zauberhafter Ort. Véronique und Jean-Claude Cayeux führen das mit Gecschmack eingerichtete Gästehaus seit etwa vier Jahren mit viel Liebe und Idealismus. Der Garten lädt zum Verweilen ein, insbesondere da außer Vogelgezwitscher und Blätterrauschen nichts die herrliche Stille stört. Morgens tischt der sympathische Monsieur Cayeux die herrlichsten Spezialitäten zum Frühstück auf, es gibt selbstgemachte Marmelade und noch ofenwarmen Kuchen, Milchreis (Teurgoule normand … Mmmmmh) und Clafoutis mit frischen Beeren, Rhabarber oder Aprikosen, Ziegenkäse und frische Weinpfirsische. Wo war doch gerade das Schlaraffenland?

Monsieur Cayeux hat uns auch darüber aufgeklärt, wieso hier alle Gebäude mit dem ockerfarbenen Stein gebaut sind. Es handelt sich um den in der Region abgebauten Kalkstein “pierre de Caen“. Es gibt ein Sprichwort, das sagt „Der Caennaiser Kalkstein lässt sich schnitzen wie Holz und ist hart wie Granit“ und er wurde unter anderem auch benutzt, um Teile der Westminster Abbey oder dem Windsor Castle zu bauen.

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Ah, das Fenster steht offen … da scheint jemand zu Hause zu sein.

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Im Dorfkern steht dieses wahrhaft märchenhaft anmutende Haus mit seiner blühenden aus Stein gehauenen “Baumfassade”.

An der Route des Marais findet man eine noch fast intakte Wassermühle. Als ich klein war, träumte ich davon später entweder in einer Mühle oder in einem Leuchtturm zu leben. Dies wäre ein idealer Ort gewesen.

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Es gibt ein altes Waschhaus …

… üppige Gärten …

… und natürlich viele Mauern und verschlossene Türen.

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Ebenfalls aus Kalkstein ist das denkmalgeschützte Schloss “Château de Fontaine-Henry” am Rande des Dorfes. Der in verschiedenen Stilen gebaute Bau ist seit mehr als 10 Jahrhunderten im Besitz der gleichen Familie und heute noch bewohnt. Seine bis zu 15 Meter hohen schwindelerregenden Dächer gehören zu den höchsten Frankreichs. Es lohnt sich allemal, eine der geführten Besichtigungen mitzumachen, den interessanten Geschichten zuzuhören und durch die mit Liebe erhaltenen Räume zu wandeln. Beeindruckt haben mich die Gemäldesammlung (Tizian, Rubens, …), das schöne Porzellan und die vielen Erinnerungsstücke, die überall ausgestellt sind. Der heutige Besitzer, der Marquis d’Oilliamson, behauptet mit Recht, dass es eine große Verantwortung und viel Arbeit ist, ein solch geschichtsträchtiges Gebäude in Schuss zu halten.

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Wie ihr seht, ist Fontaine-Henry alleine schon ein Besuch wert, doch ist es auch der ideale Ausgangsort, um die Strände der Normandie (Juno Beach, Omaha Beach,…) zu besuchen, an denen die Alliierten einst landeten sowie die vielen Museen aus dieser düsteren Zeit. Für die Kinder gab es diese Urlaubswoche Geschichtsunterricht “zum Anfassen” und ich habe zu meiner Freude nie die Aussage “oh ist da langweilig” gehört.

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Na, habe ich Euch neugierig gemacht? Wie sagt man so schön “Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub” und wer weiß, vielleicht konnte ich ja den einen oder anderen für die nächste Urlaubsplanung inspirieren.

Doch auch wenn demnächst kein Urlaub ansteht, so stehen noch sonnige Tage vor der Tür. Ich wünsche Euch ein herrliches Herbstwochenende!

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Makrofotografie, Natur, Reisen

Zurück im Nest !

September 12, 2016

 

Gesond a monter si mer nees am Nascht gelant. Gutt ausgerout, de Kapp gefëllt mat neien Andréck a flotten Erliefnisser, prett d’Schoul an déi alldeeglech Aarbecht nees opzehuelen. Hoffe mer, dass de gutt gelaunte Vakanzefeeling nach e bësschen unhält.

Da sind wir wieder, gesund und munter, im heimeligen Nest gelandet. Es waren schöne Sommermonate, vieles haben wir erlebt und viele neue Eindrücke gesammelt. So langsam mausern sich die Merlannes zum “fahrenden Volk” … das Abenteuer und das noch Unentdeckte locken uns immerzu fort von zuhause.

Um die neue Blogsaison gebührend zu starten, gibt es heute am MakroMontag wieder Kleines ganz groß zu bestaunen. Sehr viel habe ich während den Reisen nicht fotografiert – war es mir doch manchmal zu beschwerlich, die ganze Fotoausrüstung mitzuschleppen. Es gab demnach viele Handy-Fotos, die zu meinem Erstaunen gar nicht mal so schlecht sind.

Auf unserer letzten Station, der schmucken kleinen Insel “Île d’Embiez” vor Bandol in Frankreich, blühten vor der Wohnung wunderschöne Rosen und Dahlien und so kramte ich doch noch das Makrobjektiv aus dem Koffer und verliebte mich in die prächtigen pinken Pompon-Dahlien.

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Die Bilder sind zwar etwas verwackelt und unscharf – es wehte gerade eine leichte Meeresbrise – doch ein paar bringen es dennoch fertig, die Pracht der Dahlien wundervoll in Szene zu setzen. Ich liebe Dahlien über alles (sage ich das nicht fast von jeder Blume?), es sind so majestätische Blumen und ich bin sehr traurig, dass sie in unserem Garten nicht gedeihen.

Die Dahlien mit ihren unendlich vielen Varietäten, ihren farbenfrohen Blumen voller Leuchtkraft, beleben die Spätsommerbeete wie keine andere Pflanze. Hier auf der Insel von Monsieur Ricard hatte der Gärtner für diese Saison die Pompon-Dahlie ausgesucht, es gab sie in Gelb, in Rot und in diesem zarten Rosa. Wenn man ihre kugeligen Köpfe aus der Nähe betrachtet, glaubt man in eine Bienenwabe hineinzublicken. Die Blumen halten, ins Wasser gestellt, recht lange, doch ich habe mich nicht getraut, eine abzupflücken.

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Vielleicht versuche ich es das nächste Jahr doch noch einmal, Dahlien in unserem Garten zu ziehen. Es wäre einfach zu schön, im Spätsommer bunte Dahliensträuße im eigenen Garten pflücken zu können.

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Schön am Urlaub ist aber auch immer, dass man so viel Zeit zum Lesen hat. Ganze 8 Bücher habe ich die letzten Wochen verschlungen. Da ich nicht genug Lektüre eingepackt hatte, musste ich mir Nachschub im Supermarkt der Insel holen und da kamen mir diese beiden “feel-good”-Romane unter die Finger. Normalerweise ist das nicht so meine Art von Lektüre, doch die hübschen Cover und neugierig stimmenden Titel ließen mich den Lesestoff in den Korb legen.

Wie schon erwähnt, sind beide Geschichten recht aufbauend, voller bekannter Weisheiten, die schön verpackt, so manchen Herbstblues verschwinden lassen können. Ich habe sie in der Originalversion auf Französisch gelesen (nichts Herausragendes für eine Luxemburgerin, lernen wir hier doch schon ab dem 2. Schuljahr Molière’s Sprache), doch den ersten Band gibt es mittlerweile auch in deutscher Übersetzung.

Im Roman “Der Tag an dem ich lernte zu leben” von Laurent Gounelle wird Jonathans Leben, das gerade eine nicht so tolle Phase durchläuft, durch die Weissagung einer Handleserin komplett auf den Kopf gestellt. Jonathan bricht aus, flüchtet zu seiner weisen Tante Margie ans Meer und macht sich auf die Suche nach dem “wahren” Glück. Das Buch war in Frankreich ein Bestseller und ich habe Jonathans Sinnfindung und Margies Weisheiten mit viel Freude verfolgt.

Das Erstlingswerk von Antoine Paje “Et il me parla de cerisiers, de poussières et d’une montagne…”, das, wie ich gerade festgestellt habe, noch nicht ins Deutsch übersetzt wurde, ist ebenfalls, wie das vorherige Buch, ein eher philosophischer Roman. Der Ich-Erzähler Paul lebt ein eigentlich sehr erfolgreiches Leben, doch irgendwie fühlt er, dass viele seiner Handlungen von der Angst geleitet sind und sich alles doch nicht so richtig anfühlt. Ein langer Weg zu Selbstfindung beginnt, begleitet von Begegnungen außerordentlicher Menschen, die er seine “Yodas” nennt (ja genau, der Yoda aus Starwars ist gemeint, George Lucas’ “Krieger der Weisheit”). Das Buch ist stark autobiografisch geprägt. Antoine Paje war selber Geschäftsmann und hat für verschiedene Gesellschaften gearbeitet, bis er bemerkt hat, dass sein Leben, wenn auch nicht schlecht, doch recht oberflächlich dahindümpelte.

Beide Bücher regen zum Nachdenken an, sind spannend zu lesen und hinterlassen einen leichten Nachgeschmack von Glückseligkeit. Was will man mehr?

Ich wünsche Euch allen eine gute “rentrée” (wie wir hier den Schulanfang und das Ende der Urlaubszeit nennen) !

Life+Thru+the+Lens+Weekly+Link+Up+-+Lisa+Kerner+-+Simply+Living+Photography

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